Gott

Ernst Wilhelm Lenik1 (c) Robert von Aufschnaiter.jpg
Einlass: 19:30 Uhr
Neue Stadthalle Langen

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Schauspiel von Ferdinand von Schirach mit Ernst Wilhelm Lenik, Karin Boyd u.a.

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Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. So heißt es in der Bibel, gleich im ersten Buch Mose.

Dürfen die Herrscher über Fische, Vögel, Vieh und Gewürm auch über ihr eigenes Ende entscheiden, ihren eigenen Tod selbst bestimmen? Nach geltendem bundesdeutschen Strafrecht, gemäß § 217 des Strafgesetzbuches, war die „geschäftsmäßige Förderung“ von Suizid, also Sterbehilfe, bislang strikt verboten und wurde mit bis zu drei Jahren Haft geahndet. Dagegen hatten Schwerstkranke, Ärzte, Rechtsanwälte, Sterbebegleiter und Pfleger beim Bundesverfassungsgericht geklagt – und bekamen im Frühjahr 2020 tatsächlich Recht. Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben, so die Richter, schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und dabei Angebote und Hilfe von Dritten wahrzunehmen. Einen Rechtsanspruch auf Sterbehilfe gebe es freilich nicht, kein Arzt könne gegen seine Überzeugung dazu gezwungen werden. Jetzt ist es am Bundestag, die Suizidhilfe per Gesetz neu zu regeln; vom Tisch ist die schwierige moralische und ethische Frage damit also nicht und beantworten muss sie sowieso letztlich jede/r für sich selbst.

In seinem aktuellen Theaterstück mit dem nicht unbescheidenen Titel Gott widmet sich der Strafverteidiger, Buchautor und Dramatiker Ferdinand von Schirach diesem gesellschaftspolitisch höchst brisanten Thema. Gott wirft Fragen auf, die die menschliche Autonomie und Selbstbestimmung betreffen, im Spannungsfeld von Moral, Christentum und Politik und die vor allem eines zeigen: Dass die Welt nicht schwarz-weiß ist. Diesmal tagt in Schirachs Bühnenwerk - unter Einbeziehung des Publikums - kein Gericht (wie in Terror, seinem ersten großen Theatererfolg), sondern der Deutsche Ethikrat. Verhandelt wird der Todeswunsch eines älteren, gesunden Mannes, der sich die Freiheit nehmen will.

Für eine solche Hauptrolle braucht es selbstverständlich einen überragenden Könner der Schauspielkunst und Ernst Wilhelm Lenik ist genau das. Womöglich erinnern Sie sich: In Florian Zellers Tragikomödie Vater spielte er jüngst auf der Langener Stadthallenbühne den achtzigjährigen, an Alzheimer erkrankten André. Diesmal werden an seiner Seite unter anderem Klaus Mikoleit, Karin Boyd, Frank Voß, Martin Molitor, Susanne Thiel und Wolfgang Seidenberg spielen, alles renommierte Mimen und zusammen gewiss ein exzellentes Ensemble.

Und Ferdinand von Schirach, Autor millionenfach verkaufter Bestseller (Verbrechen, Schuld, Der Fall Collini, Tabu, Die Würde des Menschen ist antastbar oder Kaffee und Zigaretten), gibt uns einen Gedanken mit auf den weiteren Lebensweg: Wir glauben, wir seien sicher, aber das Gegenteil ist der Fall: Wir können unsere Freiheit wieder verlieren. Und damit verlören wir alles. Es ist jetzt unser Leben und unsere Verantwortung.

www.schirach.de - www.karinboyd.de - www.frankvoss.eu - www.wolfgangseidenberg.de - www.martin-molitor.de

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