Stella

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Einlass. 19:30 Uhr
Neue Stadthalle Langen

30,60/ 28,40/ 26,20 Euro
inkl. Garderobe & Gebühren

 

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Schauspiel nach Johann Wolfgang von Goethe mit Anna Schäfer, Mario Ramos, Isabell Fischer u.a.

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Ach, dieser Goethe ist doch immer für Überraschungen gut. Stella, sein Schauspiel für Liebende in fünf Akten, wurde im Februar 1776 in Hamburg uraufgeführt und geriet weiland zum Flopp, vor allem dank des Finales mit einer polygamen Liebe zu Dritt stellten sich beim sittenstrengen Publikum die Haare hoch und Unbehagen ein. 30 Jahre später knöpfte sich Goethe sein Stück ein zweites Mal vor, überarbeitete es nun zu einem Trauerspiel in fünf Akten und sorgte diesmal für ein gar tragisches Ende - mit einem zweifachen Selbstmord, jeder stirbt für sich allein den Liebestod. Das Publikum war wieder hin- und hergerissen.

Fast 250 Jahre später ist es an der Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Amina Gusner, sich der Stella in ihrer Urfassung neuerlich anzunehmen und aus dem Text - mit seiner Zeitlosigkeit des Stoffes - ein Schauspiel für Liebende auf der Höhe unserer Zeit zu formen, eine Untersuchung über zeitgenössische Geschlechterrollen und moderne Liebes- und Beziehungsmodelle. Im Interview sagt sie: Es geht um Menschen, die von der ständigen Sehnsucht nach Liebe angetrieben werden. Das passt in unsere neoliberalistische Zeit, in der wir immer die höchsten Gefühle haben wollen und enttäuscht sind, wenn sie sich nicht einstellen. Dann müssen wir weitersuchen, bis wir einen besseren Partner finden. Der ewig suchende Mann und die ewig wartende Frau – unter diesem Aspekt habe ich auch meine eigene Fassung des Stücks erstellt.

Was kann passieren, wenn wir dem Gefühl der Liebe ganz ohne gesellschaftliche Zwänge und Konventionen folgen? – Zwei Frauen lieben einen Mann, nämlich Fernando. Der Mann liebt sie beide, zwei Frauen, seine Geliebte Stella und seine Ehefrau Cäcilie. Da haben den jungen Goethe seine eigenen Affären inspiriert, denn wie er Frederike von Brion, so hat Fernando Cäcilie verlassen, und wie – Fernando bei Stella – findet er bei Lili Schönemann die neue Liebe. Fernando sieht nur eine moralische Möglichkeit, bei der niemand betrogen oder hintergangen wird, eine Beziehung zu dritt. Alle sind einverstanden. Und außergewöhnlich ist, dass das Gefühl, das sich normalerweise in einer Dreierkonstellation einstellt, bei Stella gänzlich fehlt: die Eifersucht. Viele verbinden mit der Eifersucht den absoluten Liebesbeweis, doch tatsächlich hat die Eifersucht in einer Beziehung nichts zu suchen, sie ist nur Ausdruck der Verwechslung zwischen Besitz und Liebe und der eigenen Minderwertigkeitsgefühle. Die reine Liebe lassen Cäcilie und Stella ihrem Fernando die jeweils andere gönnen, zudem sind sich die beiden auch freundschaftlich zugetan – und so funktioniert die Liebe zu dritt. Na, das ist ein Happy End, das sogar nach 250 Jahren und auch in Patchworkzeiten noch immer zu irritieren und zu provozieren vermag. Goethes Stella ist und bleibt ein Experiment.

www.annaschaefer.net

 

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