Sie sagt. Er sagt.

Justizdrama nach Ferdinand von Schirach mit Kathrin Hanak, Wolfgang Seidenberg u.a.
Ein Gerichtssaal, zwei Menschen, zwei Wahrheiten und keine Gewissheit. Bestsellerautor Ferdinand von Schirachs „Sie sagt. Er sagt.“ stellt das Publikum vor eine ebenso einfache wie verstörende Ausgangssituation: Aussage gegen Aussage. Eine bekannte Moderatorin wirft einem Unternehmer Vergewaltigung vor. Beide schildern denselben Abend und doch entsteht aus ihren Aussagen ein völlig unterschiedliches Bild.
Was folgt, ist kein klassischer Kriminalfall, sondern ein präzise komponiertes Gedankenexperiment über Wahrheit, Wahrnehmung und Zweifel. Von Schirach, selbst langjähriger Strafverteidiger, kennt die Mechanismen des Rechts genau und nutzt sie, um ein Stück zu schaffen, das weniger Antworten liefert als Fragen stellt. Wie urteilt man, wenn es keine eindeutigen Beweise gibt? Und was bedeutet Gerechtigkeit in einem System, das auf Gewissheit angewiesen ist, diese aber nicht herstellen kann?
Das Ensemble verleiht diesem Konflikt große Intensität. Tjadke Biallowons, ausgebildet am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und engagiert unter anderem am Deutschen Theater Berlin, verbindet analytische Klarheit mit emotionaler Präzision. Auch im Fernsehen – etwa in „Knallerfrauen“ – hat sie ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Christian Meyer, der bereits in mehreren Inszenierungen von Schirachs Werken zu sehen war, bringt eine konzentrierte, nuancierte Spielweise ein, die die Ambivalenz seiner Figur eindrucksvoll sichtbar macht.
„Sie sagt. Er sagt.“ entfaltet seine Wirkung aus der Reduktion: klare Sprache, scharf gesetzte Dialoge, ein Spannungsfeld, das sich zunehmend verdichtet. Das Publikum wird dabei unweigerlich Teil des Geschehens und gezwungen, Position zu beziehen, nur um diese gleich wieder zu hinterfragen.
Ein hochaktueller Theaterabend, der nicht beruhigt, sondern zum Nachdenken auffordert.
www.schirach.de – www.wolfgangseidenberg.de
Die Veranstaltung ist Teil des Abonnements „Stadt.Theater.Langen“.
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